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Die Steuerberaterkammer Stuttgart informiert: Neue steuerliche Regeln für Zins & Co. - die Abgeltungsteuer wird wirksam
(Pressemitteilung 28/2009 vom 17. November 2009)

Mit der Abgeltungsteuer hat für Sparer und Anleger in diesem Jahr eine neue Zeitrechnung begonnen. Das Einkommen aus privaten Kapitalerträgen wird einheitlich an der "Quelle", d.h. bei den Kreditinstituten, bei denen es anfällt, besteuert. Steuerverhindernde Haltefristen und das Halbeinkünfteverfahren haben "ausgedient". Erste Praxiserfahrungen mit der neuen Besteuerungsart werfen u.a. Fragen zum Bestandsschutz, zum Freistellungsauftrag oder zur Steuererklärung auf, zu deren Klärung die folgenden Ausführungen beitragen möchten.

"Ein Viertel auf alles"

In § 20 des Einkommensteuergesetzes wird genau definiert, was alles zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehört. Das sind z.B. Dividenden, Einnahmen aus einer stillen Beteiligung, Zinsen aus Hypotheken und Grundschulden, der Sparanteil von Kapitallebensversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden, Diskontbeträge von Wechseln oder auch Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art, wenn Zinsen für die Kapitalüberlassung gezahlt werden.

Für den Großteil der Steuerzahler geht es jedoch - kurz und vereinfacht gesagt - im weitesten Sinne um Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Entstehen also Einkünfte dieser Art, so werden diese - in aller Regel - einheitlich mit 25 % besteuert. Hinzu kommen noch der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer, so dass Banken und andere Finanzdienstleister bis zu ca. 28 % als Abgabenlast direkt an das Finanzamt abführen. Aber nicht alle Einkünfte werden im Rahmen der Abgeltungsteuer gleich behandelt. In abweichenden Fällen, wie z.B. bei einer stillen Beteiligung, empfiehlt es sich, den fachlichen Rat eines Steuerberaters einzuholen.

Grundsätzlich sind von der Abgeltungsteuer alle Sparer betroffen, die in Deutschland steuerpflichtig sind. Allerdings bleiben auch in 2009 private Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags steuerfrei (801 Euro alleinstehend / 1.602 Euro verheiratet). Dazu muss bei der Bank ein Freistellungsauftrag erteilt werden. Hat jemand Konten bei mehreren Geldinstituten, so kann der Freistellungsauftrag dem Anlagevolumen entsprechend aufgeteilt werden. Ehegatten können für Gemeinschaftskonten und -Depots nur gemeinsame Freistellungsaufträge erteilen.

Neue Regeln

Im Gegenzug zur einheitlichen Besteuerung wird für den privaten Anleger künftig das Halbeinkünfteverfahren gestrichen, nach dem Dividenden bisher nur zur Hälfte versteuert werden mussten. Des Weiteren fallen die Vorteile der bisher gültigen einjährigen Spekulationsfrist für Anleger weg. Diese basierten auf der Tatsache, dass beispielsweise der Gewinn aus dem Verkauf im Kurswert gestiegener Aktien nach Einjahreshaltefrist nicht versteuert werden musste. Und drittens wird der gesonderte Nachweis tatsächlich entstandener Werbungskosten nicht mehr steuermindernd anerkannt, da mit dem ab 1. Januar 2009 neu eingeführten und bereits benannten Sparerpauschbetrag sämtliche steuerrelevanten Kosten abgedeckt sein sollen, wie beispielsweise auch Depotgebühren, Finanzierungskosten, Beratungskosten oder Kosten für die Teilnahme an Aktionärsversammlungen.

Bestandsschutz

Keine Regel ohne Ausnahme - denn es besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein grundsätzlicher Bestandsschutz für Aktien, Fonds und festverzinsliche Wertpapiere. So bleiben beispielsweise Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen, die vor dem 1. Januar 2009 erworben wurden, steuerfrei, sofern die einjährige Behaltefrist eingehalten wird. Laufende Erträge aus diesen Anlagen unterliegen jedoch ab 2009 der Abgeltungsteuer. Unberührt von der Abgeltungsteuer bleiben dagegen private Renten- und Kapitallebensversicherungen, sofern es sich um Altverträge handelt, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden und eine Haltedauer von mindestens 12 Jahren haben.

Wer ist von der neuen Regelung wie betroffen?

Zunächst einmal dürften diejenigen profitieren, die bisher ihre Zinseinkünfte mit einem individuell höheren Steuersatz als 25 % bzw. ca. 28 % zu versteuern hatten. Andererseits werden aber Sparer mit niedrigen Einkünften, deren Steuersatz um ca. 25 % oder niedriger liegt, nicht schlechter gestellt als bisher. Wer die Kapitaleinkünfte wie bisher in der Steuererklärung angibt, kann dadurch von der Bank zunächst zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer wieder zurückholen. In keinem Fall in der Einkommensteuererklärung vergessen werden dürfen private Darlehen, für die der Abgeltungsteuerabzug nicht automatisch durchgeführt werden kann. Dies sei an folgendem Beispiel verdeutlicht: Anton gewährt 2009 seinem Bruder Bernd ein Privatdarlehen von 12.000 Euro, damit Bruder Bernd eine größere Investition tätigen kann. Dafür erhält Anton von Bernd 3 % Darlehenszinsen p.a. In einem solchen Fall muss Bernd keine Abgeltungsteuer einbehalten, wohl aber Anton die erhaltenen Zinserträge in seiner Einkommensteuererklärung angeben.

"Günstigerprüfung"

Werden Kapitalerträge über die Steuererklärung deklariert, nimmt das Finanzamt im Interesse des Steuerzahlers auf Antrag eine "Günstigerprüfung" vor. Keine Sorgen um die Abgeltungsteuer brauchen sich Anleger und Sparer mit einer sog. Nichtveranlagungsbescheinigung machen. Die NV-Bescheinigung erteilt das Finanzamt, wenn das voraussichtlich zu versteuernde Einkommen 2009 unterhalb des Grundfreibetrags von 7.834 Euro / 15.668 Euro (alleinstehend / verheiratet) bleibt. Im nächsten Jahr können mehr Sparer mit geringem Einkommen als bisher davon profitieren, denn der Grundfreibetrag steigt voraussichtlich auf 8.004 Euro / 16.008 Euro (alleinstehend / verheiratet).

Die Abgeltungsteuer wirft eine Reihe von Fragen auf, die mit der Behandlung bestimmter Finanzprodukte, aber auch mit Ausnahmeregelungen, Veranlagungsoptionen etc. zu tun haben. Deshalb empfiehlt es sich in jedem Fall, einen professionellen Berater hinzuzuziehen, um eine optimale persönliche Anlage-Strategie zu entwickeln.

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