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Vorsorgeaufwendungen im Ruhestand - eine Steuerspezialität mit Potenzial
(Pressemitteilung 11/2010 vom 11. Mai 2010)

Für Rentner und Pensionäre sind die Möglichkeiten, Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben steuerlich geltend zu machen, relativ überschaubar. Steuerlich abzugsfähiger Altersvorsorgeaufwand fällt bei ihnen in der Regel nicht mehr an. Das Finanzamt berücksichtigt vor allem die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Darüber hinaus haben Ruheständler aber gute und oftmals nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten, zusätzliche Versicherungsbeiträge geltend zu machen.

Günstigerprüfung nutzen

Grundsätzlich dürfen Rentner, Pensionäre und andere steuerpflichtige Personen 2010 neben den steuerbegünstigten Aufwendungen für Altersvorsorge bis zu 1.900 Euro "sonstige Vorsorgeaufwendungen" absetzen, zusammen veranlagte Ehepaare bis 3.800 Euro. Dazu gehören beispielsweise auch Versicherungsbeiträge zu Kranken-, Haftpflicht- oder Risikolebensversicherungen.

Beiträge zu folgenden Versicherungen können als "sonstige Vorsorgeaufwendungen" zu abzugsfähigen Sonderausgaben führen:

- Arbeitslosenversicherung
- Berufsunfähigkeitsversicherung
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung
- Haftpflichtversicherung (z.B. Kfz, Tierhalter, Privathaftpflicht)
- Kapitallebensversicherung mit Versicherungsbeginn vor 2005
- Krankenhaustagegeldversicherung
- Krankentagegeldversicherung
- Krankenversicherung (auch Auslandskrankenversicherung)
- Pflegeversicherung
- Rentenversicherung mit Versicherungsbeginn vor 2005
- Risikolebensversicherung
- Unfallversicherung (ohne garantierte Beitragsrückzahlung).

Die Obergrenze liegt im Vergleich zum Vorjahr für Alleinstehende um 400 Euro höher, für Ehepaare um 800 Euro. Trotzdem ist das nicht üppig, denn der Sonderausgabenabzug für andere begünstigte Versicherungen fällt künftig weg, wenn der neue Höchstbetrag bereits durch die Krankenkassen- und Pflegekassen-Beiträge ausgeschöpft ist. Die Beitragszahlungen für solche zwar grundsätzlich begünstigte, aber die neue Freibetragsgrenze übersteigende Vorsorgeaufwendungen bzw. Versicherungsbeiträge können also u.U. 2010 nicht mehr geltend gemacht werden.

Besonders für Rentner und Pensionäre kann sich die sog. Günstigerprüfung hier jedoch positiv auswirken. In den Jahren bis 2019 vergleicht das Finanzamt nämlich von sich aus, ob die derzeitige oder die vor 2005 geltende Regelung mehr Abzugspotenzial enthält und legt automatisch die günstigere Variante der Steuerfestsetzung zugrunde. Bei der alten Regelung gehören Altersvorsorgeaufwand, Krankenversicherungsbeiträge und alle anderen begünstigten Vorsorgeaufwendungen in einen einzigen Topf. In drei Schritten wird dann der abzugsfähige Betrag errechnet. Dieser verringert sich allerdings ab 2011 jährlich durch die Abschmelzung des sog. Vorwegabzugs.

Ruheständler haben unter Umständen auch die Möglichkeit, für sich, für Kinder, Enkel oder andere Personen steuersparend tätig zu werden. Anstatt beispielsweise den studierenden Enkel ab und zu (und ohne steuerliche Auswirkung) mit Bargeld zu unterstützen, könnten Großeltern eine Unfall-, Kfz-Haftpflicht- oder eine andere begünstigte Versicherung für ihn abschließen. Mit den so gezahlten Versicherungsbeiträgen, die bei ihnen zu den steuermindernden Sonderausgaben zählen, helfen sie nicht nur dem Nachwuchs, sondern senken gleichzeitig ihre eigene Steuerlast. Denn laut Bundesfinanzhof kann grundsätzlich derjenige Sonderausgaben geltend machen, der sie als Versicherungsnehmer aufgewendet hat. Dabei ist es ohne Bedeutung, wer der Versicherte ist oder wem die Versicherungssumme später zufließt. Voraussetzung ist allerdings, dass bei den eigenen Sonderausgaben ausreichend Spielraum zur Verfügung steht.

Welches konkrete Abzugspotenzial in den sonstigen Vorsorgeaufwendungen steckt, hängt immer vom Einzelfall ab. Bei allein stehenden Rentnern und Pensionären ist das "Sparpotenzial" am Höchsten, ebenso bei Ehepaaren, wenn beide Ehepartner entweder Rentner oder Pensionäre sind. Wenn einer der Ehepartner noch erwerbstätig ist und steuerlich begünstigte Altersvorsorgebeiträge einzahlt, ändert sich die Lage. Grund: Allein die Altersvorsorgebeiträge des noch erwerbstätigen Ehepartners können dazu führen, dass die Altregelung ungünstiger ausfällt und zusätzliches Abzugspotenzial nicht zur Verfügung steht. Hier hilft nur, genau und konkret zu rechnen.

Die Vorschriften zum Abzug von Vorsorgeaufwendungen sind ziemlich komplex und für Laien oft nur schwer durchschaubar. Wer es genau wissen will, sollte die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch nehmen.

Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete (z.B. Alterseinkünftegesetz; Altersvorsorge, Pensionen, Renten, sonstige wiederkehrende Leistungen; Einkommensteuer), Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

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