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Steuerberater informieren, beraten und vertreten: Steuerklassenwechsel ja oder nein - das geplante Faktorverfahren wirft neue Fragen auf
(Pressemitteilung 27/2009 vom 11. November 2009)

Verheiratete Arbeitnehmer können ihre Steuerklasse frei wählen. So bestimmen sie mit, wie viel Lohnsteuer der Arbeitgeber jeden Monat an das Finanzamt abführt. Zur Wahl stehen derzeit zwei Kombinationen und als Faustregel gilt: Die Kombination Steuerklasse IV / Steuerklasse IV ist erste Wahl, wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen. Die Kombination Steuerklasse III / Steuerklasse V bringt mehr Netto im Monat, wenn der Gehaltsunterschied zwischen den Ehepartnern hoch ist. Das höhere Einkommen wird mit der Steuerklasse III relativ niedrig, das geringere Einkommen mit Steuerklasse V relativ hoch besteuert. Die hohe Steuerbelastung in der Steuerklasse V wird zwar in der jährlichen Einkommensteuerveranlagung wieder ausgeglichen, sie wird aber oftmals als Hemmschwelle für eine Beschäftigungsaufnahme angesehen.

Elterngeld und Steuerklasse

Kündigt sich Nachwuchs an, stellen sich neue Fragen, denn die Höhe des Elterngelds orientiert sich am Nettoverdienst desjenigen, der das Kind im ersten Lebensjahr maßgeblich betreuen wird. In aller Regel sind das die Mütter. Bei der Steuerklasse V ergibt sich im Verhältnis eine niedrigere Bemessungsgrundlage für das Elterngeld. Diese beträgt 67 % vom Nettolohn des der Geburt vorausgegangenen Jahres, höchstens jedoch 1.800 Euro pro Monat. Vielfach wird deshalb angeregt, vorausschauend zu planen und die Steuerklassen zu wechseln. Das geht bis jeweils zum 30. November des Vorjahres, in dem das Elterngeld in Anspruch genommen werden soll.

Hört sich interessant an und kann es auch sein, aber Achtung! Denn bei einem Wechsel der Steuerklassen verschieben sich - vereinfacht gesagt - auch die steuerlichen Koordinaten des Partners. Wechselt beispielsweise die Ehefrau von Steuerklasse V zu Steuerklasse III, so wechselt der Ehepartner zwangsläufig in die Steuerklasse V - mit allen Konsequenzen. Dies kann sich negativ auswirken auf den evtl. Bezug von Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld, von Krankengeld oder dgl. Denn dann hat der Ehepartner, also in der Regel der Ehemann, einen geringeren Nettoverdienst, somit auch eine geringere Bewertungsbasis für Lohnersatzleistungen. Und weiterhin ist zu berücksichtigen, dass das Elterngeld zwar steuerfrei gezahlt wird, aber zum Einkommen hinzugerechnet wird, wenn der individuelle Steuersatz vom Finanzamt nach Abgabe der Steuererklärung festgelegt wird. Auf jeden Fall ist vor einer solchen Entscheidung eine sorgfältige Überprüfung der persönlichen Situation, am besten mit Hilfe eines Steuerberaters, vorzunehmen, damit vermeintliche Vorteile sich nicht ins Gegenteil verkehren.

Faktorverfahren soll Ausgleich begünstigen

Heute entscheiden sich viele Paare für die Kombination Steuerklasse III / Steuerklasse V. Vor allem dem in Steuerklasse V vertretenen hohen Anteil der Frauen will der Gesetzgeber gemäß Jahressteuergesetz 2009 (§ 39f Abs. 1 EStG) mit dem sog. "Faktorverfahren", das ab 2010 gilt, eine neue Wahlmöglichkeit einräumen. Verheiratete Arbeitnehmer können dann alternativ zu den bisherigen Steuerklassenkombinationen die neue Kombination IV-Faktor / IV-Faktor wählen. Damit wird u.a. erreicht, dass bei beiden Ehegatten mindestens die ihnen persönlich zustehenden Entlastungsbeträge berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise der Grundfreibetrag, die Vorsorgepauschale, der Sonderausgabenpauschbetrag oder kinderrelevante Freibeträge. Das Finanzamt ermittelt in einem speziellen Berechnungsverfahren einen Faktor aus den jeweiligen Arbeitslöhnen der Ehegatten, der stets kleiner als 1 ist. Dieser wird - jeweils mit drei Nachkommastellen - auf beiden Lohnsteuerkarten neben der Steuerklasse IV eingetragen. Die Arbeitgeber der Ehegatten ziehen von den jeweiligen Arbeitslöhnen die Lohnsteuer auf der Grundlage der Steuerklasse IV ab, multiplizieren sie aber mit dem errechneten Faktor, z.B. mit 0,877.

Mit dem Faktorverfahren soll erreicht werden, dass jeder Ehegatte künftig so viel Lohnsteuer zahlt, wie es seinem Anteil am gemeinsamen Bruttolohn entspricht. Auf das gesamte Steuerjahr gesehen ergeben sich allerdings keine steuerlichen Vorteile für das Paar, weil in der Summe die Lohnsteuerschuld die gleiche bleibt. Allerdings kommt das neue Faktorverfahren der tatsächlichen Jahressteuerschuld beider Ehegatten in den meisten Fällen näher als die bisherigen Steuerklassenkombinationen. Daher sind vermutlich Einkommensteuernachzahlungen seltener, aber eben auch die willkommenen Erstattungen. Die Abgabe einer Steuererklärung ist trotzdem Pflicht.

Richtig beantragen

Wenn Arbeitnehmer in Zukunft das Faktorverfahren wählen, müssen sie mit einem gemeinsamen Antrag beim Finanzamt auch die voraussichtlichen Jahresarbeitslöhne aus ihrem Hauptarbeitsverhältnis angeben. Nur so kann der Faktor korrekt berechnet und auf den Lohnsteuerkarten eingetragen werden. Arbeitslöhne aus weiteren Jobs (Steuerklasse VI) bleiben bei der Faktor-Berechnung unberücksichtigt. Eine Änderung des Faktors kann sich auszahlen, wenn sich Voraussetzungen für dessen Festsetzung gravierend ändern. Dazu zählen u.a. Arbeitslosigkeit, Versterben eines Ehepartners, Wechsel in die Selbstständigkeit oder der Eintritt ins Rentenalter.

Probleme beachten

Da nicht alle Auswirkungen des neuen Faktorverfahrens für den Laien ohne Weiteres erkennbar sind, empfiehlt es sich, den Rat eines Steuerberaters einzuholen.

Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete (z.B. Arbeitnehmerveranlagung/Lohnsteuerjahresausgleich, Einkommensteuer, Lohnsteuerberatung, Sozialversicherung), Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

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