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Gesund und fit - der Fiskus hilft mit
(Pressemitteilung 26/2010 vom 8. November 2010)

Die Gesundheit ist vielen Menschen lieb und teuer. Ob gesunde Ernährung, sportliche Betätigung, prophylaktische Maßnahmen oder akute Behandlungen, das alles kann ganz schön ins Geld gehen. Aber was viele nicht wissen ist, dass der Fiskus wesentlich an den Kosten beteiligt werden kann. Diese können einerseits in der Einkommensteuererklärung unter den "außergewöhnlichen Belastungen" geltend gemacht werden, was zu bemerkenswerten Erstattungen bzw.

Einsparungen führen kann. Andererseits gibt es steuerbegünstigte gesundheitsfördernde Maßnahmen durch den Arbeitgeber, die den eigenen Geldbeutel schonen. Aber nicht alle Ausgaben, die der Gesundheit dienen, erkennt der Fiskus steuermindernd an. Da ist es wichtig zu wissen, was geht und was nicht.

Nicht begünstigt:  Übernahme von Kurkosten durch Arbeitgeber

Zu diesem Thema hat der Bundesfinanzhof (BFH) im März 2010 ein Urteil gefällt (Az. VI R 7/08) und dabei seine ständige Rechtsprechung fortgeführt. Kurz gefasst ging es dabei um Folgendes: Ein Fluglotse war arbeitsvertraglich verpflichtet, sich in regelmäßigen Abständen einer sog. Regenerierungskur zu unterziehen. Der Arbeitgeber wollte die Kosten der Kur übernehmen, und zwar vor dem Hintergrund, dass derartige Maßnahmen im eigenbetrieblichen Interesse liegen und folglich nicht als steuerbarer Arbeitslohn dem Lotsen angerechnet werden könnten.

Der BFH sieht dagegen die Übernahme von Kurkosten durch den Arbeitgeber grundsätzlich als Arbeitslohn an. Auch eine Aufteilung der Kosten in Arbeitslohn und Zuwendungen im betrieblichen Eigeninteresse, wie sie das Finanzgericht vorgenommen hatte, lehnt der BFH ab, wenn die jeweiligen Veranlassungsbeiträge so ineinandergreifen, dass eine Trennung nicht möglich und daher von einer einheitlich zu beurteilenden Zuwendung auszugehen ist.

Außergewöhnliche Belastungen

Das obige Urteil muss jedoch nicht bedeuten, dass der Fiskus sich nicht generell an Kurkosten beteiligt. Kurkosten werden in aller Regel dann steuermindernd anerkannt, wenn die Notwendigkeit der Kur durch Vorlage eines vor Kurbeginn ausgestellten amtsärztlichen Zeugnisses nachgewiesen wird. Bei Pflichtversicherten kann sich die Notwendigkeit einer Kur bereits mit der Bescheinigung der zuständigen Krankenkasse belegen lassen. Krankheitskosten gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen, in deren Rahmen solche Kosten geltend gemacht werden können, die gem. Einkommensteuererklärung "aufgrund besonderer Umstände zwangsläufig anfallen".

Dazu können auch Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel gehören, wenn die medizinische Notwendigkeit durch eine ärztliche Bescheinigung nachgewiesen wird. Ganz wichtig ist, dass diese Bescheinigung vor Beginn einer Maßnahme erteilt wird und dass die entstehenden Kosten glaubhaft per Quittung nachgewiesen werden. Dies gilt beispielsweise auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente oder für Laserkorrekturen, wenn anschließend das Tragen einer Brille überflüssig wird. Der Katalog der anerkennungsfähigen Ausgaben ist erstaunlich umfangreich und kann demjenigen, der ihn zu nutzen versteht, bares Geld sparen.

Zumutbare Eigenbelastung

Bei den grundsätzlich als außergewöhnliche Belastung anzusetzenden Kosten ist zu beachten, dass der Steuerpflichtige einen Teil davon - die sog. zumutbare Belastung - selbst tragen muss. Wie hoch dieser Teil ist, hängt von der Höhe der Einkünfte, der Kinderzahl und dem Familienstand ab und beträgt zwischen 1 % und 7 % des Gesamtbetrags der Einkünfte.

Wegen der pro Jahr anzurechnenden zumutbaren Eigenbelastung empfiehlt es sich, die Kosten möglichst komplett innerhalb einer Jahresfrist zu sammeln bzw. abzurechnen, um mehrmalige Eigenbeteiligungen zu vermeiden. Ist also absehbar, dass eine neue Brille oder Kontaktlinsen nötig werden, eine kostenintensive Zahnbehandlung erforderlich ist und teure Medikamente in absehbarer Zeit gebraucht werden, kann es sich lohnen, diese Ausgaben so zu planen, dass sie innerhalb eines Jahres entstehen, um die Chancen für eine Beteiligung des Fiskus zu optimieren.

Gesundheitsförderung

Für Maßnahmen, die der Prävention oder der individuellen Förderung der Gesundheit dienen, kann ein Arbeitgeber jedem Mitarbeiter bis zu 500 Euro pro Jahr steuer- und sozialabgabenfrei gewähren. Danach kann beispielsweise ein Gymnastikkurs, eine Ernährungsberatung, aber auch ein Kurs zur Raucherentwöhnung finanziert werden. Ob diese Maßnahmen außerhalb des Betriebes in Anspruch genommen werden oder der Arbeitgeber möglicherweise einen Masseur beauftragt, die am Computer tätigen Mitarbeiter vor Ort durch gezielte Behandlung vor Rücken- oder Nackenleiden zu bewahren, spielt dabei keine Rolle. Der Arbeitgeber kann die gesundheitsfördernden Maßnahmen direkt mit externen Dienstleistern abrechnen. Auch Barzuschüsse des Arbeitgebers an die Arbeitnehmer für Gesundheitsprogramme, die diese selbst bezahlen, sind steuerlich begünstigt. Ausgeschlossen sind jedoch die Übernahme von allgemeinen Beiträgen zum Sportverein oder Fitnessstudio. Spezielle Kurse, die die Anforderungen des Sozialgesetzbuches erfüllen, können jedoch durchaus vom Arbeitgeber steuerfrei bezahlt bzw. bezuschusst werden.

Fazit

Die Möglichkeiten, das Finanzamt an den Aufwendungen für eine gesundheitsbewusste Lebensführung zu beteiligen, sind individuell sehr vielfältig. Wer das Potenzial voll ausschöpfen möchte, sollte sich professioneller Beratung bedienen.

Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete (z.B. Einkommensteuer), Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

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