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Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte erhöhen sofort verfügbares Einkommen
(Pressemitteilung 3/2011 vom 7. Februar 2011)

Der Eintrag von Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte führt dazu, dass der Steuerpflichtige sofort mehr verfügbares Geld in der eigenen Kasse hat. Normalerweise zahlen Arbeitnehmer Monat für Monat einen Teil ihres Einkommens sozusagen "automatisch" an den Fiskus, d.h. der Arbeitgeber zieht vom Gehalt die Lohnsteuer ab, die der Lohnsteuerklasse seines Arbeitnehmers entspricht, und überweist sie direkt an das Finanzamt. Dabei wird von der voraussichtlichen Jahres-Lohnsteuer ausgegangen. Im Ergebnis zahlen viele Arbeitnehmer im Jahresverlauf mehr Steuern, als sie eigentlich schulden. Diese bekommen sie mit Hilfe der Steuererklärung zurück, die aber erst nach Ablauf des Steuerjahres eingereicht werden kann. Wer sofort für mehr Netto im Portemonnaie sorgen möchte, schafft dies mit der Eintragung von Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte.

Besonderheiten 2011

Da das Jahr 2011 ein Übergangsjahr ist, in dem die Systemumstellung auf das elektronische Lohnsteuerabzugsverfahren vorbereitet wird, behält die Lohnsteuerkarte 2010 ausnahmsweise ihre Gültigkeit auch für 2011 einschließlich evtl. eingetragener Freibeträge. Gleichzeitig erfolgte ein Zuständigkeitswechsel. Wer also für 2011 auf seiner Lohnsteuerkarte Änderungen bei den Freibeträgen vornehmen bzw. erstmals Freibeträge eintragen lassen möchte, muss sich jetzt an das Finanzamt wenden und nicht mehr an die Meldebehörden der Städte und Gemeinden. Ab dem Jahr 2012 soll für Arbeitgeber ein Abruf der ELStAM (= Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale) über eine zentrale Datenbank beim Bundeszentralamt für Steuern möglich sein. Eine "Papier-Lohnsteuerkarte" wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Freibeträge bleiben erhalten

Für das Jahr 2011 gelten also einmalig sämtliche beantragten Freibeträge des Jahres 2010 automatisch weiter. Wichtig zu wissen, dass die Eintragung eines Freibetrags auf der Lohnsteuerkarte zwingend die Verpflichtung nach sich zieht, nach Ablauf des Kalenderjahrs unaufgefordert eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Von dieser Veranlagungspflicht ausgenommen sind allerdings die Fälle, in denen auf der Lohnsteuerkarte lediglich ein Pauschbetrag für Behinderte oder der Pauschbetrag für Hinterbliebene eingetragen worden ist.

Bei der Nutzung gewisser steuerrelevanter Tatbestände, die allein im Interesse des Arbeitnehmers liegen, ist es letztlich auch seine Entscheidung, dafür möglicherweise Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte zu beantragen. Andererseits ist er verpflichtet, Änderungen beim Finanzamt vornehmen zu lassen, wenn sich etwa die Steuerklasse oder die Zahl der Kinderfreibeträge geändert hat. Falls sich ein für das Jahr 2010 eingetragener Freibetrag verringert, etwa durch weniger Fahrtkosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder eine voraussehbare Verringerung eines Verlustes aus Vermietung und Verpachtung, ist der Arbeitnehmer gut beraten, das Finanzamt auch von diesen Veränderungen rechtzeitig in Kenntnis zu setzen, da ohne die entsprechenden Korrekturen auf der Lohnsteuerkarte möglicherweise mit erheblichen Nachzahlungen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung gerechnet werden muss.

Grenze für Freibeträge

Arbeitnehmer können prinzipiell Werbungskosten, bestimmte Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen als Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Das macht das Finanzamt aber grundsätzlich erst, wenn im Jahr insgesamt mehr als 600 Euro an Freibeträgen aller Art zusammenkommen. Bei Werbungskosten für Arbeitnehmer gilt eine weitere Hürde: Sie bringen nur dann einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte, wenn dieser über dem Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro liegt. Wenn Arbeitnehmer "nur" Werbungskosten geltend machen können, brauchen sie also mindestens 1.521 Euro, um die Hürde zu überspringen (920 Euro Arbeitnehmerpauschbetrag plus 600 Euro Antragsgrenze). Wobei diese 600 Euro-Grenze nicht in jedem Fall gilt, für Behinderte beispielsweise und auch für diverse Ausnahmen gelten Sonderregelungen. Absicht der Bundesregierung ist es, den Arbeitnehmerpauschbetrag für das laufende Jahr auf 1.000 Euro zu erhöhen. Der Steuervorteil soll jedoch erst mit der Lohnabrechnung im Dezember 2011 an die Arbeitnehmer weitergereicht werden.

Welche Ausgaben kommen für einen Eintrag auf der Lohnsteuerkarte in Frage?

Neben Werbungskosten sind Sonderausgaben, wie etwa Unterhaltszahlungen an den geschiedenen Ehepartner, Kinderbetreuungskosten oder Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung, eintragungsfähig. Auch die Kosten für eine erste Berufsausbildung, ein Erststudium oder die Nachholung des Abiturs können hier eine Rolle spielen, ebenso wie Spenden oder die Kirchensteuer. Letztlich jedoch ist die individuelle Situation ausschlaggebend, so dass im Einzelfall diese Entscheidungen mit Hilfe eines Steuerberaters geklärt werden sollten.

Entfernungspauschale

Arbeitnehmer können prinzipiell für jeden Kilometer, den sie vom Betrieb entfernt wohnen, 30 Cent in Anrechnung bringen. Wer ausschließlich Fahrtkosten zwischen Wohnung und Betrieb geltend machen kann, muss bei z.B. 230 Arbeitstagen im Jahr mindestens 23 Kilometer vom Betrieb entfernt wohnen, um die 1.521 Euro-Grenze zu überschreiten.

Häusliches Arbeitszimmer

Auch die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können unter bestimmten Umständen steuermindernd in Ansatz gebracht und folglich auch als Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden. All diejenigen, für deren berufliche oder betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, wie beispielsweise Lehrer, dürfen ab sofort die Kosten bis zu einer Höchstgrenze von 1.250 Euro für ihr häusliches Arbeitszimmer wieder von der Steuer absetzen und somit einen entsprechenden Freibetrag eintragen lassen.

Kinderbetreuungskosten

Für Kinder bis 14 Jahre dürfen viele Eltern bis zu 6.000 Euro Kinderbetreuungskosten geltend machen. Zwei Drittel davon akzeptiert das Finanzamt, so dass maximal 4.000 Euro pro Kind als Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden können.

Schulgeld

30 % des Schulgelds für Privatschulen sind bis zu einer Höhe von 5.000 Euro als Sonderausgaben steuerlich abziehbar. Das Finanzamt berücksichtigt diese Summe als Freibetrag.

Außergewöhnliche Belastungen

Krankheits-, Behinderungs- und Scheidungskosten können unter bestimmten Voraussetzungen als Freibetrag Steuern sparen. In aller Regel wird allerdings zunächst eine angemessene Selbstbeteiligung in Abzug gebracht. Auch Ausbildungsfreibeträge für Kinder über 18 Jahre, die auswärts wohnen, und Unterhaltszahlungen an Angehörige lassen sich zu Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte ummünzen.

Fazit

Wer dem Finanzamt kein zinsloses Darlehen gewähren möchte, sollte sich professioneller Beratung bei der Eintragung von Freibeträgen bedienen, um das Freibetragspotenzial voll ausschöpfen zu können.

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