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Das neue Bilanzrecht - praxistaugliche Modernisierung für den Mittelstand
(Pressemitteilung 2/2010 vom 26. Januar 2010)

Die Bilanzerstellung gehört seit jeher zu den Kernaufgaben der Steuerberater. Mit dem neuen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, kurz BilMoG, ist der steuerberatende Beruf jetzt in der Lage, seinen mittelständischen Mandanten eine praktikable und dauerhafte Alternative zur komplizierten internationalen Rechnungslegung anzubieten, ohne den bürokratischen Aufwand von Großunternehmen betreiben zu müssen. Mit welchen Änderungen und Neuregelungen der Mittelstand zu rechnen hat, wird im Folgenden skizziert. Das neue Gesetz ist zeitlich grundsätzlich erstmals für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2009 begonnen haben. Hiervon sind Ausnahmen zulässig, die aber wegen der möglichen Bedeutung und Konsequenzen für das jeweilige Unternehmen genau geprüft werden sollten.

Eine Bilanz - was ist das überhaupt?

Jeder Kaufmann muss zu Beginn seines Handelsgewerbes eine Eröffnungsbilanz und jeweils zum Schluss eines Geschäftsjahres eine Bilanz erstellen. Sie stellt das Verhältnis von Vermögen und Schulden dar. Gemeinsam mit der Gewinn- und Verlustrechnung, die eine Gegenüberstellung der Aufwände und Erträge dokumentiert, bildet sie den Jahresabschluss. Bei Kapitalgesellschaften gehört der Anhang dazu. Die Bilanz ist Grundlage für die Gewinnermittlung und -ausschüttung. Sie ist eine der wichtigsten geschäftlichen und steuerlich relevanten Unterlagen überhaupt, denn sie liefert nicht nur unverzichtbare Fakten für das Controlling, sondern auch für das Gespräch mit Kapitalgebern. Die Gliederung einer Bilanz ist im Handelsgesetzbuch festgelegt und für Kapitalgesellschaften zwingend vorgeschrieben.

Gründe für die Modernisierung des Bilanzrechts

Um die positiven Aspekte der Neuordnung zu verstehen, muss man sich zunächst den Hintergrund verdeutlichen: Seit 2005 ist in den EU-Mitgliedstaaten für Kapitalgesellschaften, deren Wertpapiere beispielsweise an der Börse gehandelt werden, eine Bilanzierung nach internationalen Standards und Vorschriften, den International Financial Reporting Standards, kurz IFRS, Pflicht. Dies gilt z.B. auch für Konzernabschlüsse in Deutschland. Um nun zu verhindern, dass diese vergleichbar aufwendigen, kostenintensiven und relativ komplizierten Regelungen auch auf nicht börsennotierte bilanzierungspflichtige kleinere und mittlere Unternehmen übertragen werden, wurde mit dem BilMoG eine gleichwertige aber kostengünstigere und einfachere Alternative zu den internationalen Vorschriften der Rechnungslegung geschaffen. Rechnungslegung in diesem Sinne hat nichts mit einer normalen Rechnung zu tun, es handelt sich vielmehr um die Dokumentation betrieblicher Vorgänge für externe Zwecke, wie beispielsweise die Handels- oder Steuerbilanz.

Entlastung von kleinen und mittleren Unternehmen

Von besonderer Bedeutung für Einzelkaufleute dürfte die Befreiung von der Verpflichtung zur Buchführung und zur Erstellung eines Inventars sein. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 500.000 Euro Umsatz und nicht mehr als 50.000 Euro Gewinn erzielt wurden. In Abhängigkeit von der Größenordnung dieser Unternehmen kann es dennoch sinnvoll sein, eine vernünftige Buchführung einzurichten und einen Jahresabschluss zu erstellen, denn letztlich sind dies auch wichtige Instrumente der Unternehmensführung, die beispielsweise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zuverlässige Daten für die strategische Weichenstellung oder Kreditmittelbeschaffung liefern können. Für Existenzgründer gilt - vereinfacht gesagt - die Befreiung bereits, wenn die Schwellenwerte am ersten Abschlussstichtag nach der Neugründung nicht überschritten werden. Aber auch hier ist die Überlegung angebracht, eine betriebswirtschaftliche Datenerfassung durchzuführen, die längerfristig zu einer nachhaltigen Unternehmenssicherung beitragen kann.

Unternehmen anderer Größenordnung

Ausschlaggebend für den Umfang der Informationspflichten, die die Unternehmen gegenüber Anteilseignern, Kapitalgebern, Geschäftspartnern und ggf. der Öffentlichkeit haben, sind die Größenklassen, denen sie zugeordnet werden. Ohne hier ins Detail der Bewertungen zu gehen, kann - stark vereinfacht - festgehalten werden, dass die jeweils ausschlaggebenden Bilanzsummen und Umsatzerlöse um ca. 20 % angehoben wurden und auch die Zahl der Arbeitnehmer in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt. Die Anhebung der Schwellenwerte führt letztlich dazu, dass mehr Unternehmen als bisher in den Genuss der Erleichterungen kommen, die für kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften gelten. So brauchen beispielsweise kleine Kapitalgesellschaften ihren Jahresabschluss nicht von einem Abschlussprüfer prüfen zu lassen und müssen nur die Bilanz und den Anhang, nicht aber die Gewinn- und Verlustrechnung offenlegen. Mittelgroße Kapitalgesellschaften können auf eine Reihe von Angaben verzichten, die große Kapitalgesellschaften jedoch machen müssen.

Behandlung immaterieller Vermögensgegenstände

Bisher war es so, dass beispielsweise Herstellungskosten für die Entwicklung von Software bei einem Start-up-Unternehmen aufwandswirksam erfasst werden mussten und sich somit u.a. auch gewinnschmälernd auswirkten. Aber Patente und andere Schutzrechte sowie firmeninternes Wissen gehören zu den immateriellen Vermögensgegenständen und spielen im Wirtschaftsleben eine immer wichtigere Rolle. Ihre bilanzielle Bewertung kann deshalb für den einen oder anderen Existenzgründer, aber auch für besonders patentaffine Unternehmen existenziell sein. Mit dem neuen Aktivierungswahlrecht haben sie jetzt eine Möglichkeit, diese Art von Kosten innerhalb der selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens auszuweisen. Das hat den Vorteil, dass sich das Vermögen auf der Aktivseite der Bilanz vergrößert mit der Konsequenz, dass die Eigenkapitalbasis verbreitert und die Chancen verbessert werden, sich am Markt weiteres Kapital zu beschaffen. Für Kapitalgesellschaften ist die Aktivierung mit einer Ausschüttungssperre verbunden, d.h. die Erträge aus der Aktivierung dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschüttet werden. Steuerlich bleiben die Aufwendungen abzugsfähig.

Fazit

Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz wird als sehr praxistauglich bewertet. Es bewahrt kleine und mittlere Unternehmen vor unnötigem Aufwand. Gleichwohl ist es ein sehr komplexes Konstrukt, bei dem außer den nur grob skizzierten Parametern noch weitere Dinge, wie die Neubewertung von Rückstellungen, deren Orientierung an Preis- und Kostenentwicklung sowie weitere Details eine fundamentale Rolle spielen. Deshalb empfiehlt sich in jedem Fall die Hinzuziehung eines Steuerexperten.

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