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Bildung und Steuern - Studieren mit Hilfe des Finanzamts
(Pressemitteilung 22/2010 vom 16. September 2010)

Die Bedeutung von Bildung für jeden einzelnen Bürger ist unbestritten, denn sie kann die persönliche Lebenssituation wesentlich verbessern. Aber Bildung kostet in aller Regel auch Geld und da ist schon wichtig zu wissen, welche Bedingungen an die steuerliche Anerkennung abzugsfähiger Aufwendungen gestellt werden. Während normalerweise Kosten der (Erst-)Ausbildung unter den Sonderausgabenabzug fallen und somit nur beschränkt abzugsfähig sind, können Weiter- oder Fortbildungsaufwendungen als Werbungskosten oder als Betriebsausgaben geltend gemacht werden und somit voll absetzbar sein. Aber es kommt stets auf den konkreten Fall an.

Erstausbildung

Ausgaben für die eigene Erstausbildung oder ein Erststudium können als Sonderausgaben im Rahmen der Einkommensteuererklärung steuermindernd in Ansatz gebracht werden, allerdings nur bis zu einem maximalen Betrag von jährlich 4.000 Euro. Ist jedoch die Ausbildung Bestandteil eines Dienstverhältnisses, wie etwa bei Juristen nach dem ersten Staatsexamen, bei Beamtenanwärtern oder bei einem berufsbegleitenden Studium, das Gegenstand eines Ausbildungsverhältnisses ist, dann werden die damit verbundenen Aufwendungen als Werbungskosten definiert und sind somit unbegrenzt auf Nachweis steuerlich absetzbar.

Sonderfall Erststudium nach Berufsausbildung

Dennoch können auch Erststudenten unter bestimmten Umständen ihre Ausgaben für das Studium in vollem Umfang als vorweggenommene Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen, wie ein Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH, Az. VI R 14/07 vom 18. Juni 2009) zeigt. Verkürzt dargestellt ging es dabei um die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen für ein Erststudium, das nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung begonnen wurde. Eine gelernte Buchhändlerin hatte zunächst Sonderschulpädagogik studiert und war dann ins Lehramtstudium gewechselt, um in der Folge auch als Lehrerin tätig sein zu können.

Die damit in Zusammenhang stehenden Kosten von rund 6.000 Euro für Fahrten zur Uni und nach Hause sowie für Arbeitsmittel machte sie als Werbungskosten geltend. Doch das Finanzamt wollte höchstens 4.000 Euro als Sonderausgaben anerkennen. Dem widersprach letztlich der BFH mit der Begründung, dass "die Aufwendungen der Klägerin für das Lehramtstudium dem Grunde nach beruflich veranlasst sind. Es besteht ein hinreichend konkreter Zusammenhang dieser Ausgaben mit späteren Einnahmen. Da das Lehramtstudium auch konkret ... auf die Erzielung von Einnahmen gerichtet ist, sind die damit in Zusammenhang stehenden Aufwendungen dem Grunde nach als vorab entstandene Werbungskosten abziehbar".

Fort- und Weiterbildung

Als Werbungskosten stets voll abzugsfähig sind beruflich veranlasste Kosten, die nach Abschluss einer Erstausbildung oder eines Erststudiums anfallen und somit als Fort- bzw. Weiterbildungskosten in einem ausgeübten Beruf steuerlich anerkannt werden. Dazu gehören beispielsweise die Aufwendungen für Umschulungen, Computer- oder Meisterkurse sowie auch Zweit-, Zusatz-, Master-, Ergänzungs- oder Aufbaustudien. Weiterhin gehören zu diesen unbegrenzt anerkennungsfähigen Werbungskosten im Regelfall ein Praktikum oder eine Promotion. Auch können unter bestimmten Voraussetzungen Studienreisen und Kongresse oder beispielsweise ein Rhetorikkurs oder Seminare zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit voll abzugsfähig sein, wenn diese konkret für die Berufsausübung von Bedeutung ist. Die Weiterbildungskosten gelten bei Arbeitnehmern als Werbungskosten, bei Selbstständigen als Betriebsausgaben.

Verlustabzug

Ob Bildungsausgaben als Sonderausgaben oder als Werbungskosten abgesetzt werden dürfen, hat auch eine weitere nicht zu vernachlässigende Konsequenz. Erstere sind generell nur in dem Jahr steuerlich berücksichtigungsfähig, in dem sie getätigt werden. Werbungskosten können dagegen zu steuerlichen Verlusten führen, die sich mit positiven Einkünften anderer Jahre verrechnen lassen. Vereinfacht dargestellt könnte dies so aussehen, dass ein Verlustvortrag aus "kargen" Lehrjahren später steuermindernd beim ersten positiven Einkommen in Abzug gebracht wird.

Dies gilt z.B. für Auszubildende, deren Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt oder für Studenten im Zweitstudium, die Geringverdiener sind und erst zu einem späteren Zeitpunkt mit höherem Einkommen rechnen können. Möglich ist aber prinzipiell auch ein Verlustrücktrag in das unmittelbar vorhergehende Jahr. Dies kann beispielsweise für Menschen günstig sein, die arbeitslos geworden sind und selbst eine Fortbildung finanzieren.

Generell sind die Sachverhalte und Abgrenzungen für den Laien nicht immer eindeutig und es kann um erhebliche Beträge gehen. Deshalb sollte in solchen Fragen ein Steuerberater herangezogen werden.

Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete (z.B. Einkommensteuer), Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

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